Dienstag, 31. Juli 2012

Heureka!

Endlich, nach unzähligen Versionen, Experimenten und Frustrationen, habe ich den richtigen Anfang meines Romans gefunden. Meine Schreibfreundin hat in ihrem letzten Kommentar den Beginn des vertrackten 1. Kapitels als Schlüsselszene bezeichnet, und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen (was für ein blödes Klischee, aber mir fällt grad im Überschwang der Gefühle -da, noch so eins! - kein besseres ein).
Recht hat sie. Es ist die Schlüsselszene zu dem Roman, es ist der Beginn der Geschichte, die ich erzählen will.
Kann sich irgendjemand meine Erleichterung vorstellen? Plötzlich war der Druck verschwunden, der wie eine Betonplatte auf meinem Brustkorb gelastet hat, und ich konnte wieder frei durchatmen. Ich fühle mich voller Energie und Freude und ja, ein bisschen wie stoned. Am liebsten möchte ich tanzen, springen, singen. Aber sowas tut ein Schriftsteller nicht. Er entlässt die neugewonnene Energie und die Freude in das Schreiben. Und genau das tue ich im Moment: ich schreibe, dass die Tasten rauchen. Denke, auch wenn ich nicht schreibe, pausenlos über den Fortgang der Geschichte, die Charaktere oder einzelne Worte nach.
Nichts ist schöner als schreiben.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Streichen...

...ist eine der schwierigsten Pflichten eines Schreibers. Es tut weh, wenn ich einen Satz streichen muss, an dem ich vielleicht seit Jahren immer wieder gefeilt habe, bis er in strahlendem Glanz dastand, eloquent, elegant, intelligent, perfekt. Auf dem mein Blick voller Stolz ruhte, wann immer ich ihn las.
Aber irgendwann gewinnt ein solcher Satz ein Eigenleben. Ich beginne, um ihn herumzuschreiben, verbiege sogar meine Geschichte, nur damit dieses Kleinod der Schriftstellerkunst so stehenbleiben kann. Und spätestens dann wird es Zeit, ihn auf den Prüfstand zu stellen. Der Kampf beginnt. Ich will es nicht zugeben, aber eigentlich weiss ich, dass der Satz da nicht hingehört, dass er den Erzählfluss unterbricht, dass er stört. Kann ich ihn vielleicht woanders unterbringen? Es muss doch eine Heimat für meinen armen Satz geben, wo er, von allen bewundert, strahlen kann. Ich will ihn nicht einfach aufgeben. Alles in mir wehrt sich dagegen.


Wie gut, wenn man dann jemanden hat, der den Finger auf die Wunde legt und sagt: der Satz muss weg!
Ich habe so jemanden, zum Glück. Meine Schreibfreundin hat wieder Zeit für mich. Sie hat mir gezeigt, dass mein 1. Kapitel nur profitieren kann, wenn ich Landschaftsbeschreibungen und Rückblenden hier herausnehme und vielleicht häppchenweise an späterer Stelle verwende, wenn überhaupt. Sie hat Recht, ich weiß, doch obwohl es mir schwerfällt, ihren Rat anzunehmen, werde ich mich jetzt über mein 1. Kapitel hermachen und radikal alles streichen, was den Erzählfluss und die Spannung stört.
Adieu, all ihr wunderschönen langatmigen Landschaftsbeschreibungen und all ihr wichtigen langatmigen Rückblenden. Einige von euch sehe ich sicher später wieder, vielleicht sogar in einem anderen Roman. Euch anderen alles Gute im Papierkorb. Schluchz!

Montag, 16. Juli 2012

Wie fange ich an?

So ist es oft: ich denke, nun hab' ich's endlich, heureka!, und dann lese ich mein Geschriebenes später noch einmal und spüre sofort den Impuls, alles zu löschen und von vorne anzufangen. Zum Glück passiert mir das im Moment nur mit dem Anfang meines Romans ("nur"?), aber gerade da werden meine Zweifel zur Verzweiflung. Ich weiss noch immer nicht, wie/wo/wann meine Geschichte wirklich anfängt, an welchem Punkt der Handlung ich in das Erzählen einsteigen soll.
Seit kurzem bin ich Mitglied in einer Online-Schreibwerkstatt (www.schreibwerkstatt.de). Dort gibt es einen Beitrag, der sich genau mit dieser Problematik befasst: wo anfangen? Der Ratschlag lautet: wenn du das nicht genau weisst, verlege den Anfang des Romans zeitlich zurück, immer weiter. Erzähle die ganze Vorgeschichte mit, alles das, was du sonst in Rückblenden erzählen würdest. Der Sinn dieses Rates liegt wohl darin, dass es einem irgendwann von alleine klar wird, wann die eigentliche Geschichte anfängt.
So weit, so gut. Das Problem ist: ich habe genau das getan und bin mit dem Anfang der Erzählung immer weiter in die Vergangenheit gerückt, bis die Geschichte sozusagen kopflastig geworden ist. Und was ich nun am Anfang erzähle, weist in nichts auf das hin, was den eigentlichen Inhalt der Geschichte darstellt.

Alle Romanfiguren haben eine Biographie (oder sollten eine haben, wenn sie glaubhafte Charaktere sein sollen), d.h. sie haben Dinge erlebt, die sie zu den Menschen geformt haben, die sie heute sind, so wie reale Menschen auch. Ich kann ihr heutiges Verhalten nicht verstehen, wenn ich nicht die wichtigsten Ereignisse ihres bisherigen Lebens kenne, die Ereignisse, ohne die die Figur heute nicht so handeln würde, wie sie es tut, ohne die es die Geschichte nicht gäbe. Natürlich kann ich solche Ereignisse als Rückblenden erzählen, aber viele Verlage mögen keine Rückblenden und lehnen Romane deshalb ab. Was bleibt ist, die Geschichte früher beginnen zu lassen. Teufelskreis!
Ich weiss immer noch nicht, wann meine eigentliche Geschichte beginnt.

Sonntag, 8. Juli 2012

Das erste Kapitel...

...ist neben dem Klappentext die Visitenkarte eines Romans. Wenn das den Leser nicht packt, dann packt er es, nämlich das Buch wieder ins Regal, wo es ungelesen verstaubt und ein unrühmliches Ende im Papiercontainer erleidet. Viel wahrscheinlicher aber wird es gar nicht erst einen Verleger finden. Darum stehe ich mit dem Schreiben meines ersten Kapitels so unter Druck.
Zum Glück scheint sich das Blatt zu wenden, denn, man höre und staune, mein erstes Kapitel ist fertig! Na ja, zumindest strukturell, also was den Handlungsablauf und die Personen betrifft, aber noch fehlt der Feinschliff. Bevor ich mich jedoch daran mache, werde ich zunächst die beiden folgenden Kapitel  überarbeiten müssen, denn die Änderungen im 1. Kapitel machen Folgeänderungen im 2. und ggf. im 3. Kapitel erforderlich. Erst wenn die drei strukturell fertig sind, wenn die Handlung fließt, dann widme ich mich den stilistischen Fragen.
Und sicher frage ich mich morgen wieder einmal: kann ich das nicht besser machen? Ist nicht alles Mist, was ich da geschrieben habe?
Hach!